Die Antwort auf diese Frage ist vielleicht für einige Menschen interessant – immerhin liegt die letzte wirkliche Neugründung einer der „großen“ Parteien schon viele Jahrzehnte zurück.

Fast immer entstanden Parteien aus politischen Bewegungen, die lange gewachsenen Denkrichtungen folgten und diese dann in Form einer Partei manifestieren wollten.

Auch insofern ist die Gründung von „GEMEINSAM NEUDENKEN“ eine spannende Sache, denn wir sind nicht aus einer derartigen Bewegung entstanden. Unser Ursprung liegt lediglich in einer Idee; einer Idee, die bei Gründung der Partei auch erst knappe anderthalb Jahre alt war. Aber hinter dieser Idee steckt eine so bestechende Logik, dass sich schnell Mitstreiter fanden, die alle für sich beschlossen: „Ja, für dieses Ziel wollen wir eine Partei gründen!“

Eine Idee

Mitte Dezember 2019 zirkulierte die Idee, einen Versuch zu wagen, und unsere Gesellschaft zu wandeln, das erste Mal. Zunächst als Manuskript, als Gedankenkonstrukt. Inhaltlich war das Ganze eine im Grunde ziemlich einfache Argumentationskette:

  1. Ausgangsposition: Wir haben weltweit enorme Probleme, und diese Probleme werden eher größer als kleiner.
  2. Darum muss etwas geschehen, wenn wir unseren Kindern eine „gute“ Zukunft ermöglichen wollen. Einfach „weiter so“ reicht nicht.
  3. Alle Maßnahmen, die wir jetzt brauchen, werden weitreichend sein müssen, denn die Ursachen all unser Probleme sind tiefgreifend.
  4. Wie kann das also gelingen?
  5. Nur, indem wir bei den Ursachen ansetzen. Tun wir dies nicht, werden alle Lösungsversuche kleinteilig und letztendlich chancenlos bleiben. Wie es halt immer bei größeren Problemen so ist.
  6. Wo liegen die Ursachen?
  7. Im Verhalten und der Struktur menschlicher Gesellschaften: in Ausbeutung, Ungleichheit, Unwissenheit und Verständnislosigkeit.
  8. Schlussfolgerung: DAS müssen wir angehen, wenn wir es noch schaffen wollen, die immensen Probleme unserer Zeit zu lösen. Wir müssen unsere Gesellschaft wandeln.

Ein Wille

Natürlich war allen Beteiligten klar, dass ein solches Unterfangen, ein Generationenprojekt, nicht nur eine fast unlösbare Aufgabe, sondern auch fast unmöglich zu vermitteln sein würde. Aber bei diesem kleinen Wörtchen „fast“ liegt für uns der Schlüssel, denn Dinge, die nicht komplett unmöglich sind, können versucht werden. Und dazu entschlossen wir vierzehn Menschen uns: Es zu versuchen, die Idee zu transportieren – allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz.

So wurde aus einer Idee also der Wille, eine politische Partei ins Leben zu rufen. Um Dinge in Bewegung zu setzen – in welcher Form auch immer.

Die Umsetzung

Nun mussten alle möglichen Voraussetzungen geschaffen werden, um eine Partei gründen zu können: Zunächst einmal brauchte es ein Parteiprogramm, das natürlich mehr sein musste, als nur eine philosophische Betrachtung. Des Weiteren eine Satzung samt aller möglichen zusätzlichen Regelungen und nicht zuletzt einen Namen für die Partei. Mehrere Monate rangen wir um Inhalte, Formulierungen und einen Parteinamen. Die innerhalb dieser Zeit hereinbrechende Pandemie trug kaum zur Vereinfachung der Sache bei. Was unsere Ansätze und Absichten aber sehr wohl erleichterte, war nun eben das völlig Neue unserer Partei, die Freiheit von bestehenden Strukturen – einer Bewegung zum Beispiel. Diese Freiheit ermöglichte es uns, losgelöst von den alten, politischen „Rechts-Links-Kategorien“, pragmatisch an die bestehenden Probleme und Aufgaben heranzugehen. Nach unserer Meinung die einzige Möglichkeit, heutzutage Politik zu gestalten.

Und auch die Pandemie hatte ihr Gutes für uns: Sie zeigte uns noch einmal in aller Deutlichkeit, dass in unserer komplexen, wissensabhängigen Welt eine Politik, die auf Intuition und Ideologie aufbaut nicht mehr zielführend sein kann.

Schließlich gelang es uns Anfang 2021, einen Parteinamen zu finden und ein Programm und eine Satzung aufzustellen. Als Lohn für die Mühen waren alle Mitstreiter zu einhundert Prozent mit dem Ergebnis zufrieden. Keine kleine Leistung und für unsere weitere Arbeit sehr wertvoll.

Als Gründungsdatum der Partei „GEMEINSAM NEUDENKEN“ wurde der 4.4.21 festgelegt und bis zu diesem Datum waren auch tatsächlich alle Formalitäten vorbereitet. Einzig die Pandemielage machte uns dann doch einen Strich durch die Rechnung, denn wir führten die eigentliche Gründung, die Beschlüsse des Programms und der Satzung sowie die Wahlen zum Vorstand auf einer Videokonferenz durch. Die Abstimmung erfolgte per Handzeichen. Dies wurde im Anschluss vom Bundeswahlleiter bemängelt: Nur geheime Wahlen können anerkannt werden, insofern waren unsere eingereichten Materialien also unvollständig.

Selbstverständlich ließen wir uns von diesem kleinen Rückschlag nicht entmutigen und planten einen neuen Gründungstermin. Dieses Mal mit Vorbereitungen zu einer geheimen Briefwahl mit allem Drum und Dran.

Gründungsdatum von „GEMEINSAM NEUDENKEN“ wurde auf diese Weise der 16. Mai 2021. Auf einer, für die Verhältnisse von Videokonferenzen sehr feierlichen, Zusammenkunft beschlossen wir vierzehn Gründungsmitglieder die Gründung der Partei und alle jetzt gültigen Dokumente. Die Wahlen für die zu besetzenden Ämter wurden nun per Briefwahl durchgeführt.

Die Zukunft wird zeigen, ob dieses Datum eine Bedeutung für unser Land bekommen wird. Seien wir ehrlich: Wahrscheinlich ist es nicht. Aber unmöglich ist es auch nicht, und da ist es wieder, das kleine Wörtchen „fast“. Vielleicht gelingt es uns ja, auf irgendeine Art Einfluss zu nehmen, und unsere Gesellschaft zu verändern. Vielleicht wenigstens ein wenig. Und das wäre schon ein Erfolg und alle Anstrengungen wert.

Das ist ein Beitrag von Arne Schulte.

One thought on “Wie entsteht eine Partei?

  • Juli 20, 2021 um 8:33 pm
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    Ich finde es toll, wenn sich Menschen so engagieren!

    Antwort

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